katrin heichel

26. Februar - 9. April 2010

 
 

Katrin Heichel, 1972 in Leipzig geboren und dort aufgewachsenen, studierte von 2000 bis 2005 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Prof. Arno Rink. 2005 bis 2008 absolvierte sie bei Neo Rauch ihr Meisterschülerstudium .

Die Ausstellung "VOTIV II" ist ihre dritte Einzelpräsentation in der Galerie Frank Schlag & Cie.

"Die Bedeutung von Materialität ist im Werk von Katrin Heichel ebenso wiederkehrend, wie ihre motivische Neigung populäre Bildwelten oder profane, spröde Gegenstände in ihren Bildern zu verwenden. Beide Ebenen offenbaren in ihrer Synthese den dahinter liegenden Sinn einer Aufwertung der ästhetischen Stiefkinder durch die sinnliche Oberfläche, so dass sie wie Kostbarkeiten wirken.

In den italienischen Votivstätten begegnete Katrin Heichel nun einer ästhetischen Verwandtschaft: Wachsvotive von Körperteilen, Zettelchen, Bilder, die volkstümlich verankert sind, führen dieses Reich der Materialität zu einer Gesamterscheinung, die, nach den Worten der Künstlerin, ohne weiteres Biennale-würdig sei. Von Hunderten und tausenden von Bitten und Anrufungen, die als physische Hinterlassenschaft ein Exempel katholischer Materialpräsenz statuieren, geht nicht nur eine visuelle Kraft aus, sondern der visuelle Reiz verweist unmittelbar auf das dahinter liegende magische Ritual.

Katrin Heichel begibt sich in ihrem Zyklus Votiv nicht in eingefahrene Gleise der Votiv-Ästhetik, sondern eignet sich weniger bekannte Symbole oder kuriose Seiten von Heiligen an, um sie in vergleichsweise klaren Bildräumen umzudeuten und mit ihrem persönlichen Leben zu verbinden.

So setzt sie etwa die Kröte, die als Symbol weiblicher Fruchtbarkeit an die Votivtafeln angebracht wurde, in eine Infusionsflasche, oder formuliert das Wachsbein (eine häufige Votivgabe) in ihren Bildern zur Prothese und verarbeitet den Heiligenkult in der Person des Donatus, der in bestimmten Regionen Süditaliens u.a. als Schutzheiliger behinderter Kinder verehrt wird.

Katholischer Mystizismus und der visuelle Ausdruck der Gläubigen bilden somit ein gedankliches Gerüst der Ausstellung, wobei die Ästhetik der Bilder Katrin Heichels durch die Klarheit der Bildräume eine erstaunliche Distanz zu den Urbildern einnehmen, was auch der inhaltlichen Auseinandersetzung entspricht, in der eine ganz eigene Sicht und Interpretation katholischer Materialpräsenz, Heiligenverehrung und neuplatonischer Lichtmetaphysik vorgenommen wird."

© by Autor: Lu Potemka, Leipzig

 
 

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